Schutzcenter für Kinder in Kilgoris, Kenia

Gegen die Genitalverstümmelung und Zwangsverheiratung von Mädchen

Tareto Maa hilft Mädchen aus unserer Region, die vor Verstümmelung und Zwangsheirat fliehen mussten. Wir möchten diesen Kindern ein neues Zuhause geben, wo sie sicher sind und gemeinsam mit anderen Kindern aus der Gemeinde zur Schule gehen können.

Projekt Video

Wer wir sind

Aus der Gemeinde. Für die Gemeinde. Mit Unterstützern weltweit

Tareto Maa schützt Mädchen vor Genitalverstümmelung und Zwangsverheiratung

Tareto Maa ist das, was man gerne ein “Grasswurzel-Projekt” nennt: Gegründet von Mitgliedern der Gemeinde und aktiv vor Ort in der Gemeinde. Das Kinder- und Jugendschutzprojekt wurde gegründet in Kilgoris (Rift Valley, Kenia). Mittlerweile hat Tareto Maa Unterstützer und Unterstützergruppen in aller Welt: in Europa, Nord- und Südamerika, Asien und Australien.

Wir führen Informationskampagnen zu Kindergesundheit und Kinderrechten durch und kämpfen für die Überwindung der grausamen Traditionen von weiblicher Genitalverstümmelung und Zwangsverheiratung innerhalb der Massai Gemeinschaft. Wir glauben zutiefst daran, dass Kinder ein Recht darauf haben, zur Schule zu gehen und gesund und in Sicherheit zu leben. Dafür setzen wir uns ein.

Gladys Kiranto, Vorsitzende von Tareto Maa

Tareto Maa wurde im Jahr 2009 von Gladys Naing’olai Kiranto gegründet, die als Mädchen die Verstümmelung am eigenen Leib erleiden musste und damals niemanden finden konnte, der in der Lage war, ihr zu helfen. “Tareto” ist ein Wort aus der Sprache der Massai und bedeutet “Hilfe”, das Wort “Maa” steht für “Massai”. Unser Name bedeutet also: “Hilfe für die Massai”. Der örtliche Pastor ist Mitglied unseres Gemeindeprojekts und ein Ansprechpartner für die Öffentlichkeit – und das ist wichtig, denn im ländlichen Kenia wird die Kirche als moralische Autorität geachtet.

Ein schrecklicher Schnitt im Namen der Tradition

Die Zwangsverheiratung von Mädchen und die weibliche Genitalverstümmelung (englisch: Female Genital Mutilation, FGM) sind weltweit verboten. Dennoch werden sie in ländlichen Regionen Ostafrikas oft noch praktiziert. Das gilt insbesondere für das Volk der Massai. Hier ist es Tradition, Mädchen im Alter von 11 bis 13 von der Schule zu nehmen und zu beschneiden. Und zwar ohne Betäubung oder medizinische Betreuung. Das Ritual ist unvorstellbar qualvoll.

Massai Mädchen in traditionellem Schmuck

Viele der Mädchen verlieren vor Schmerzen ihr Bewusstsein, sie verbluten oder sterben infolge von Infektionen. Für die Kinder, die überleben, endet die Zeit der Schule und des Lernens: Sie werden als Braut an einen Mann verkauft, der in den meisten Fällen wesentlich älter ist als sie.

 

FGM und Zwangsheirat verstümmeln die Körper und Seelen der Mädchen. Dagegen kämpfen wir. Mit aller Energie und Kraft!

 

Diese grausamen Praktiken sind ein grundlegender Verstoß gegen wichtige Kinderrechte, wie sie etwa festgeschrieben werden durch:

  • die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen
  • die Afrikanische Charta für die Rechte und das Wohl der Kinder
  • sowie den Children’s Act der Republik Kenia.

 

Lesen Sie, was wir tun, um gegen Genitalverstümmelung und Zwangsverheiratungen zu kämpfen.

 

Wir unterstützen die Kinder aus unserer Gemeinde

 

Was wir tun

Mädchen beschützen, die Hilfe brauchen, und über Kindergesundheit und Kinderrechte informieren

Einige der Kinder bei Tareto Maa
Einige der Kinder bei Tareto Maa

Unser Hilfsprojekt unterstützt Mädchen, die vor Beschneidung und Zwangsheirat fliehen mussten. Wir schützen diese Kinder. Wir sprechen mit ihren Eltern. Und wir versuchen, gemeinsam mit der lokalen Gemeinde der African Inland Church (AIC), der Zivilgesellschaft und den lokalen Behörden eine Lösung für diese Kinder zu finden.

Wenn ein Mädchen nicht beschnitten und verheiratet werden möchte, kann es Tareto Maa um Hilfe bitten. Der Pastor und andere Gruppenmitglieder werden dann versuchen, die Eltern zu überzeugen, das Mädchen nicht zu verstümmeln, sondern weiter zur Schule zu schicken. Aber in einigen Fällen weigert sich die Familie und verstößt ihre Tochter. Tareto Maa hat ein Rettungscenter für diese Kinder, die dringend Hilfe brauchen, aufgebaut. Falls sich also keine Lösung innerhalb der Familie finden lässt, meldet Tareto Maa das Mädchen bei der lokalen Polizei an (die hilft, das Mädchen fortan zu schützen) und nimmt es im Rettungscenter auf. Tareto Maa übernimmt die Kosten für Nahrung, Kleidung und Schulausbildung. Darüber hinaus kümmern wir uns um Waisenkinder aus der Gemeinde und geben ihnen ein neues Zuhause.

Durch die Hilfe zahlreicher Unterstützerinnen und Unterstützer aus der lokalen Gemeinde, aber auch aus vielen Ländern weltweit, ist es uns gelungen, die Gebäude für das Rettungscenter zu bauen und es zu erweitern durch eine eigene Wasserversorgung, zwei Solarmodule, einen Sicherheitszaun und eine Brücke. Derzeit leben 122 Mädchen im Tareto Maa Center.

Die Aufklärungs- und Kampagnenarbeit der Gruppe konzentriert sich auf die Region, in der Tareto Maa ihren Sitz hat: Osupuko, Kilgoris und die umliegenden Dörfer. Wir informieren die Öffentlichkeit über Kinderrechte, Kindergesundheit und allgemeine Themen der sexuellen und reproduktiven Gesundheit. Wir besuchen die Schulen und Gemeindeversammlungen, um dort über die Verletzungen zu berichten, die verursacht werden durch die weibliche Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation, FGM). Die Tareto Maa Mitglieder betonen bei ihren Vorträgen, wie wichtig die Schulausbildung von Mädchen ist. Sie verteilen Infobroschüren (geschrieben auf Swahili) und bieten persönliche Gespräche an, um über Gesundheit und HIV/AIDS zu informieren.

Naitawang Riverside Academy

Naitawang: “Licht der Gemeinde”

Gemeinsam mit der örtlichen Gemeinde haben wir eine Grundschule gegründet, die im Januar 2012 eröffnet wurde. Der Name der neuen Schule lautet Naitawang Riverside Academy. Das Wort “Naitawang“ stammt aus der Sprache der Massai und bedeutet “Licht der Gemeinde”.

Die Idee dahinter ist, die Qualität der Schulausbilung in Kilgoris zu verbessern und zugleich für Tareto Maa die Ausgaben zu reduzieren. Statt die Mädchen von Tareto Maa zu staatlichen Schulen zu schicken, die recht weit entfernt liegen und Kosten bedeuten, bietet diese private Schule eine bessere und „kostenlose“ Ausbildung für die Tareto Maa Mädchen und nimmt darüber hinaus Schulgeld für die Kinder, die von ihren Eltern hier zur Schule geschickt werden.

Pläne und Hoffnungen für die Zukunft

Was passiert, wenn die Mädchen aus dem Rettungscenter die Schule abschließen? Wie können sie dann ihren Lebensunterhalt alleine bestreiten? Um den Mädchen wirklich langfristig und nachhaltig zu helfen, plant Tareto Maa, ein Ausbildungscenter aufzubauen und dort z.B. Computer- und Managementkurse anzubieten. Darüber hinaus möchten wir eine Gesundheitsstation für die Gemeinde aufbauen. Denn im Moment ist der nächste Arzt vier Stunden entfernt!

Den Kindern in unserer Gemeinde eine Zukunft geben

Wir sehen eine wirklich reale Chance, die weibliche Genitalverstümmelung in Kilgoris und den umliegenden Gemeinden in einem Zeitraum von drei bis fünf Jahren zu überwinden. Das Team in Kenia spürt in vielen Gesprächen, dass die Menschen die Traditionen von Beschneidung und Kinderheirat bereits überdenken. Dies ist ein Erfolg unserer Arbeit in der Gemeinde. Aber der Erfolg verdankt sich ebenso den kenianischen Regierungsbehörden, die sich dafür einsetzen, FGM zu stoppen. Sobald wir die Genitalverstümmelung in unserer Region überwunden haben, wollen wir unser Engagement auf andere Kommunen in der Transmara und im kenianischen Rift Valley ausweiten.

Um den Kindern im Rettungscenter Schutz zu bieten, um die Gemeinde weiter zu unterstützen und unsere Info-Kampagnen zu Kinderrechten auszubauen, benötigen wir Ihre Hilfe.

Bitte unterstützen Sie uns.

Millenium-Entwicklungsziele

Wir fühlen uns den Millenium-Entwicklungszielen der Vereinten Nationen verpflichtet und unterstützen durch unsere Arbeit insbesondere die Ziele

  • allen Kindern eine Grundschulausbildung zu ermöglichen (MDG 2)
  • die Gleichstellung der Geschlechter zu fördern und die Rechte von Frauen zu stärken (MDG 3)
  • die Kindersterblichkeit zu verringern (MDG 4)
  • sowie HIV/AIDS und andere übertragbare Krankheiten zu bekämpfen (MDG 6)